Harald Brandes
Harald Brandes, Vorsitzender des Rundfunkrats Bild © hr/Ben Knabe

Der Rundfunkrat hat sich in seinen Sitzungen vom 1. Februar 2019 und 15. März 2019 ausführlich mit einer Programmbeschwerde zum sogenannten Hater-Interview mit dem YouTuber Exsl95 (veröffentlicht am 7. Oktober 2018) befasst und mehrheitlich beschlossen, dem Intendanten die Depublikation des beanstandeten Inhalts aus dem Internetangebot von funk zu empfehlen.

Der Rundfunkrat war mehrheitlich der Auffassung, dass die Zielrichtung und der Anspruch des Formats nicht hinreichend deutlich zum Ausdruck kommen. Er empfiehlt daher auf Grundlage des § 9 Nr. 2 hr-Gesetz den Inhalt zu depublizieren. Dies begründet sich zwar nicht durch einen Verstoß gegen die für den hr geltenden rechtlichen Bestimmungen. Jedoch hält der Rundfunkrat in seiner Mehrheit diese Empfehlung aus programmlichen Erwägungen heraus für geboten.

Der Rundfunkrat hält die Webshow "WorldWideWohnzimmer" insgesamt für ein zukunftsweisendes Format, mit dem insbesondere jüngere Zielgruppen angesprochen und für die öffentlich-rechtlichen Angebote gewonnen werden können. Die in die Webshow eingeladenen Gäste sind erfolgreiche YouTuber und spielen im medialen Alltag eines Großteils der Zielgruppe von funk eine wichtige Rolle. Daher ist es ein wesentliches Anliegen im Rahmen des öffentlich-rechtlichen Auftrags, sich mit den Darbietungen dieser Protagonist*innen im Netz auf eine kritische, unterhaltsame oder satirische Weise auseinander zu setzen. Auch sieht der Rundfunkrat es für legitim und erforderlich an, dass ein solches Format nicht den gewohnten Mustern folgt, sondern sich experimentierfreudig zeigt, Grenzen austestet und bisweilen auch polarisiert.

Vor diesem Hintergrund hat sich der Rundfunkrat mehrheitlich auch nicht generell gegen eine Fortführung des sogenannten Hater Interviews im Rahmen der oben genannten Webshow ausgesprochen.

Der Rundfunkrat empfiehlt für künftige Ausgaben der Rubrik "Hater Interview" einen stärkeren inhaltlichen Diskurs anzustreben. Dabei erkennt der Rundfunkrat an, dass die funk-Redaktion auf die öffentliche Kritik unmittelbar nach der Veröffentlichung transparent reagiert und selbst eine Neujustierung der Interview-Reihe angekündigt hat.

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